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Trading-Strategien: Die drei grundlegenden Wege, am Markt Geld zu verdienen

Es gibt nur drei grundlegende Trading-Strategien: Mean Reversion, Trendfolge und der ultrakurzfristige Bereich. Welche wirklich funktioniert – und für wen.

Teil der Serie: Trading als Beruf

Kurz zusammengefasst

Es gibt unzählige Strategienamen, aber im Kern nur drei Wege, am Markt Geld zu verdienen: Mean Reversion (die Rückkehr zum Mittelwert, gut für Seitwärtsmärkte), Trendfolge (mein bevorzugter Ansatz, weil das asymmetrische Risikoprofil große Gewinne bei überschaubarem Risiko erlaubt) und der ultrakurzfristige Bereich aus Arbitrage, Hedging, Market Making und Scalping. Letzteren halte ich für Privattrader für eine Illusion – dort entscheidet Technik, nicht Analyse. Genauso wichtig wie die Strategie ist der Timeframe: Ein verlässlicher Edge beginnt für mich frühestens ab dem Stundenchart, teils ab 15 Minuten. Und Daytrading ist die Königsklasse – nichts, womit ein Anfänger starten sollte.

Das ist Teil 5 unserer Serie über Trading als Beruf. Wenn du wissen willst, wie man Trading überhaupt richtig lernt und welche Tools du am Anfang brauchst, starte dort. Hier geht es eine Ebene höher: Bevor du dich in eine konkrete Strategie stürzt, solltest du verstehen, welche grundlegenden Möglichkeiten es überhaupt gibt – und mit welchen Instrumenten und auf welchem Timeframe du sie umsetzt.

Denn genau hier machen die meisten den ersten Fehler: Sie werfen mit Begriffen um sich – Daytrading, Swingtrading, Futures-Trading – ohne die Ebene darunter verstanden zu haben. Diese Begriffe beschreiben aber nur wie und wie schnell du handelst, nicht worauf dein Gewinn eigentlich beruht. Fangen wir also am richtigen Ende an.

Die drei grundlegenden Strategie-Typen

Bei aller Vielfalt an Namen und Systemen: Am Markt Geld zu verdienen lässt sich auf drei grundlegende Prinzipien zurückführen. Jede seriöse Strategie ist eine Ausprägung von einem davon.

Die drei grundlegenden Trading-Strategien und ihre Risikoprofile im Vergleich
Trendfolge vs. Mean Reversion: zwei gegensätzliche Risikoprofile.

1. Mean Reversion – die Rückkehr zum Mittelwert

Mean-Reversion-Strategien setzen darauf, dass ein Kurs, der sich weit von seinem Mittelwert entfernt hat, wieder dorthin zurückkehrt. Du kaufst also relative Schwäche und verkaufst relative Stärke – gegen die kurzfristige Bewegung. Diese Strategien funktionieren vor allem im Seitwärtsmarkt, wenn der Kurs in einer Spanne pendelt und keine klare Richtung hat.

Ihre Stärke ist zugleich ihre Schwäche: Solange der Markt seitwärts läuft, liefern sie zuverlässig kleine Gewinne. Bricht der Markt aber in einen Trend aus, kann eine einzige Bewegung viele kleine Gewinne wieder auffressen – denn du wettest per Definition gegen die Bewegung. Das Risikoprofil ist damit tendenziell umgekehrt zur Trendfolge: viele kleine Gewinne, gelegentlich ein großer Verlust.

Und genau daraus folgt etwas, das oft übersehen wird: Mean Reversion ist eher ein Ansatz für großes Kapital. Weil du gegen die Bewegung stehst, musst du den seltenen, aber großen Verlust aushalten können – klassisch, indem du breit diversifizierst und eine gegen dich laufende Position aussitzt oder sogar nachlegst, bis der Mittelwert wieder erreicht ist. Das verlangt Puffer, viel Puffer. Ein kleines Konto wird in solchen Phasen zerrieben, bevor die Rückkehr kommt. Deshalb ist dieser Ansatz vor allem das Feld gut kapitalisierter Adressen.

2. Trendfolge – mein bevorzugter Ansatz

Trendfolgestrategien machen das Gegenteil: Sie steigen in eine bestehende Bewegung ein und laufen mit ihr, solange sie anhält. Das ist der Ansatz, den ich bevorzuge – und zwar aus einem konkreten Grund: dem asymmetrischen Risikoprofil.

Bei der Trendfolge begrenzt du deinen Verlust eng (ein klarer Stop, wenn der Trend nicht kommt), lässt aber deine Gewinne laufen, wenn er kommt. Das Ergebnis sind viele kleine, kontrollierte Verluste und einige wenige, dafür große Gewinne. Genau diese Asymmetrie – kleiner, definierter Einsatz gegen ein potenziell großes Ergebnis – ist für mich der Kern erfolgreichen Tradings. Du musst nicht oft recht haben. Du musst nur dann, wenn du recht hast, groß gewinnen und dann, wenn du danebenliegst, klein verlieren.

Meine eigenen Vorbilder kommen aus genau dieser Schule: Richard Dennis und Ed Seykota. Beide haben aus sehr kleinem Startkapital mit konsequenter Trendfolge ein Vermögen gemacht – Dennis wurde später vor allem durch das berühmte „Turtle"-Experiment bekannt, mit dem er bewies, dass sich Trendfolge lehren lässt. Diese Geschichten zeigen, welche Kraft in einem asymmetrischen Ansatz steckt.

Und genau deshalb eignet sich Trendfolge besonders gut für kleine Konten. Weil dein Verlust pro Trade eng und im Voraus definiert ist, kannst du dein Risiko sauber steuern, ohne großes Kapital als Puffer vorhalten zu müssen. Richard Dennis ist dafür das beste Beispiel: Er hat nicht mit einem Millionenkonto angefangen, sondern mit sehr wenig – und gerade die Trendfolge hat ihm erlaubt, daraus etwas Großes zu machen. Der eng begrenzte Einsatz nach unten ist es, der den Ansatz auch für einen Trader mit überschaubarem Kapital gangbar macht.

Der Schlüssel ist Fokus: nicht ein breit gestreutes Portfolio über Dutzende Märkte, wie es die großen Managed-Futures-Adressen fahren, sondern wenige, gut verstandene Märkte und Zeitebenen. Genau darauf ist unser Ansatz zugeschnitten.

3. Der ultrakurzfristige Bereich – und warum Privattrader hier keinen Edge haben

Die dritte Kategorie umfasst Arbitrage, Hedging, Market Making und alles, was in den ganz kurzfristigen Bereich gehört – dazu zähle ich auch das Scalping, also das Jagen kleinster Kursbewegungen in Sekunden bis wenigen Minuten.

An dieser Stelle muss ich sofort deutlich werden, und das ist meine klare persönliche Position: Ich sehe nicht, dass ein privater Trader im Scalping einen dauerhaften Edge haben kann. Das ist keine Frage von Fleiß oder Talent, sondern von Infrastruktur. Wer in diesem Bereich konkurriert, kämpft gegen hochspezialisierte Firmen mit Servern direkt an der Börse (Colocation), Latenzzeiten im Mikrosekundenbereich, dedizierter Hardware und direkten Datenfeeds. Market Maker verdienen zusätzlich am Spread und an Rebates und sehen Orderfluss, den du nie sehen wirst.

Der Denkfehler dahinter: Im Scalping ist der Gewinn pro Trade winzig. Damit sich das rechnet, müssen Ausführungsgeschwindigkeit und Transaktionskosten nahezu perfekt sein. Genau dort ist der Privattrader strukturell unterlegen – er zahlt bei jedem seiner vielen Trades Spread und Kommission und ist technisch immer einen Schritt zu langsam. Der Vorteil liegt hier bei dem mit der besten Technik, nicht bei dem mit der besten Analyse. Deshalb ist Scalping für Privatkunden aus meiner Sicht überwiegend eine Illusion, die geschickt vermarktet wird. Wer kleine Konten schnell vervielfachen will, landet fast zwangsläufig hier – und verliert.

Welcher Timeframe? Wo ein Edge überhaupt beginnt

Damit sind wir bei der zweiten entscheidenden Frage nach der Strategie: auf welchem Timeframe du handelst. Denn nicht jede Zeitebene bietet einen verlässlichen Vorteil.

Aus meiner Erfahrung beginnen stabile Timeframes, auf denen es für einen Trader tatsächlich einen Edge gibt, frühestens ab dem Stundenchart. In bestimmten Situationen – etwa in nachrichtengetriebenen, event-driven Märkten und für erfahrene Trader – kann das auch schon ab der Viertelstunde gelten. Alles darunter rutscht in den ultrakurzfristigen Bereich, in dem, wie oben beschrieben, die Technik entscheidet und nicht dein Können.

Die Faustregel: Je kürzer der Timeframe, desto größer der Anteil von Rauschen und Zufall an der Bewegung – und desto stärker der strukturelle Nachteil gegenüber den Profis mit der besseren Infrastruktur. Höhere Zeitebenen geben dir Zeit zum Denken, sauberere Signale und einen Vorteil, der auf Analyse und Disziplin beruht statt auf Millisekunden.

Daytrading oder Swingtrading – womit solltest du anfangen?

Erst wenn Strategie-Typ und Timeframe klar sind, ergeben Begriffe wie Daytrading und Swingtrading überhaupt Sinn. Sie beschreiben, wie lange du eine Position hältst.

Ich selbst bin Daytrader. Aber ich sage ganz offen: Daytrading ist die Königsklasse. Es ist wahrscheinlich die am schwersten zu erlernende Form des Tradings – schnelle Entscheidungen, hoher Druck, wenig Zeit zur Korrektur. Genau deshalb ist es nicht sinnvoll, damit anzufangen.

Wer neu ist, sollte auf höheren Zeitebenen starten, zum Beispiel mit dem Swingtrading, bei dem Positionen über mehrere Tage oder Wochen gehalten werden. Dort hast du mehr Zeit für jede Entscheidung, die Signale sind stabiler, und du kannst deinen Prozess in Ruhe einüben, ohne dass dich das Tempo überfordert. Das deckt sich mit dem Flow-Gedanken aus Teil 2 der Serie: Du beginnst mit einer Anforderung, die zu deiner noch wachsenden Fähigkeit passt – und steigerst sie erst, wenn dein Können es trägt. Der Weg führt von der höheren Zeitebene nach unten, nicht umgekehrt.

Das ist bei mir nicht nur Theorie: Obwohl ich selbst Daytrader bin, fangen meine Schüler ausnahmslos mit dem Swingtrading auf dem 4-Stunden-Chart an. Diese Zeitebene halte ich für hervorragend geeignet, um strukturiert Erfahrung zu sammeln und dabei tatsächlich Gewinne zu machen: Die Signale sind sauber und stabil, du hast genug Zeit für jede Entscheidung, und trotzdem passiert genug, um regelmäßig zu üben. Erst wenn das sitzt, geht es überhaupt in Richtung kürzerer Zeitebenen.

Womit setzt du das um? Die Instrumente

Eine Strategie ist das eine – das Instrument, mit dem du sie handelst, das andere. Grob hast du diese Möglichkeiten, jede mit eigenem Charakter:

  • Futures: börsengehandelt, transparent, standardisiert und sehr liquide – klassisch für Trendfolge und Daytrading auf Indizes, Anleihen oder Devisen. Für Privatkunden in der EU zudem besonders gut geschützt (dazu gleich mehr).
  • CFDs: flexibel und mit kleinem Kapital zugänglich, dafür außerbörslich und mit den Kosten- und Interessenlagen des Anbieters – für Privatkunden in der EU mit Schutzmechanismen wie Negativsaldoschutz.
  • Aktien: gut geeignet für Swingtrading auf höheren Zeitebenen, ohne Hebelzwang.
  • Devisen (Forex): sehr liquide, rund um die Uhr handelbar, oft für kurzfristigere Ansätze genutzt.
  • Optionen: mächtig, aber komplex – erst dann sinnvoll, wenn die Grundlagen sitzen.

Welches Instrument zu dir passt, hängt von deinem Strategie-Typ, deinem Timeframe und deinem Kapital ab. Worauf du bei der konkreten Auswahl und beim Broker achten musst, behandeln wir in unserem Anfänger-Artikel und ausführlich in Level 1.

Warum Futures sicherer sind als ihr Ruf

Futures klingen für viele nach dem gefährlichsten Instrument überhaupt – dabei sind sie für einen Privattrader in der EU einer der am besten geschützten Wege. Der Schutz kommt von zwei Seiten.

Erstens sind Futures börsengehandelt: Eine regulierte Börse mit zentraler Gegenpartei (Clearing) steht hinter jedem Geschäft. Das minimiert das Ausfallrisiko und sorgt für Transparenz und faire Preise – anders als bei außerbörslichen Produkten, wo dein Gegenüber der Anbieter selbst ist.

Zweitens greift die Regulierung durch die BaFin: Mit einer Produktintervention untersagt sie seit dem 1. Januar 2023 den Vertrieb von Futures mit Nachschusspflicht an Privatkunden – handelbar bleiben sie nur, wenn der Broker die Nachschusspflicht für Kleinanleger vertraglich ausschließt. Für dich als Privatkunden bei einem entsprechend regulierten Broker heißt das konkret: Du kannst nicht mehr verlieren als das Kapital, das du eingesetzt hast. Früher konnte ein Nachschuss im Extremfall das gesamte Vermögen treffen – für Kleinanleger ist das heute unterbunden. Für professionelle Trader gilt dieser Schutz allerdings nicht; sie tragen das Nachschussrisiko weiter.

Das ist ein entscheidender Punkt: Gerade weil dein maximaler Verlust auf deine Einlage begrenzt ist, passt das Instrument hervorragend zu sauberem Risikomanagement – und damit zu der fokussierten Trendfolge, die auch mit kleinem Konto funktioniert. Was gefährlich klingt, ist bei richtiger Anwendung also gut kontrollierbar.

Fazit: erst die Ebene verstehen, dann die Strategie wählen

Die richtige Reihenfolge ist also nicht „Welche Strategie kaufe ich?", sondern: Verstehe zuerst die drei grundlegenden Wege, am Markt Geld zu verdienen. Entscheide dich für einen Ansatz – bei uns ist das die Trendfolge mit ihrem asymmetrischen Risikoprofil. Wähle dann einen Timeframe, der zu deiner Erfahrung passt, und starte eher zu hoch als zu tief. Und lass die Finger vom ultrakurzfristigen Bereich, in dem du als Privattrader strukturell nicht gewinnen kannst.

Genau in dieser Reihenfolge bilden wir bei tradAc aus: erst das Verständnis, dann der Ansatz, dann die passende Umsetzung – aufbauend auf höheren Zeitebenen, bevor es Richtung Daytrading geht. Denn eine Strategie ist nur so gut wie das Verständnis dafür, warum, wann und für wen sie funktioniert.

Häufige Fragen zu Trading-Strategien

Welche Trading-Strategien gibt es?

Im Kern gibt es drei grundlegende Ansätze: Mean Reversion (Rückkehr zum Mittelwert, für Seitwärtsmärkte), Trendfolge (Mitlaufen mit einer Bewegung, mit asymmetrischem Risikoprofil) und den ultrakurzfristigen Bereich aus Arbitrage, Hedging, Market Making und Scalping. Jede konkrete Strategie ist eine Ausprägung eines dieser drei Prinzipien.

Was ist besser: Trendfolge oder Mean Reversion?

Beide funktionieren in unterschiedlichen Marktphasen – Mean Reversion im Seitwärtsmarkt, Trendfolge im Trend. Ich bevorzuge die Trendfolge, weil ihr asymmetrisches Risikoprofil große Gewinne bei eng begrenztem Risiko erlaubt: viele kleine, kontrollierte Verluste und einige wenige große Gewinne. Für kleine Konten ist Trendfolge zudem besser geeignet, weil das Risiko pro Trade eng begrenzt ist, während Mean Reversion viel Kapitalpuffer verlangt.

Warum ist Scalping für Privattrader schwierig?

Weil im ultrakurzfristigen Bereich nicht die Analyse entscheidet, sondern die Infrastruktur. Profis handeln mit Servern direkt an der Börse, Latenzen im Mikrosekundenbereich und direkten Datenfeeds. Der Privattrader zahlt bei jedem seiner vielen Trades Spread und Kommission und ist technisch unterlegen. Ein dauerhafter Edge ist dort aus meiner Sicht kaum möglich.

Welcher Timeframe eignet sich zum Trading?

Ein verlässlicher Edge beginnt erfahrungsgemäß frühestens ab dem Stundenchart, in event-driven Märkten und für erfahrene Trader teils ab 15 Minuten. Je kürzer der Timeframe, desto größer der Anteil von Rauschen und der strukturelle Nachteil gegenüber den Profis.

Ist Daytrading für Anfänger geeignet?

Nein. Daytrading ist die anspruchsvollste Form des Tradings – schnelle Entscheidungen unter hohem Druck. Anfänger sollten auf höheren Zeitebenen starten, etwa mit dem Swingtrading auf dem 4-Stunden-Chart, und erst später kürzere Zeitebenen angehen.

Was ist der Unterschied zwischen Daytrading und Swingtrading?

Beim Daytrading werden Positionen innerhalb eines Tages wieder geschlossen, beim Swingtrading über mehrere Tage oder Wochen gehalten. Swingtrading gibt mehr Zeit pro Entscheidung und stabilere Signale und eignet sich daher besser für den Einstieg.

Sind Futures für Privatanleger gefährlich?

Weniger, als ihr Ruf vermuten lässt. Futures sind börsengehandelt und über eine zentrale Gegenpartei abgesichert, und für Privatkunden in der EU ist die Nachschusspflicht ausgeschlossen – in Deutschland per BaFin-Produktintervention seit dem 1. Januar 2023. Bei einem entsprechend regulierten Broker kann ein privater Trader daher nicht mehr verlieren als sein eingesetztes Kapital.

Über den Autor: Birger Schäfermeier ist Trader mit über 36 Jahren Erfahrung, Autor von „Die Kunst des erfolgreichen Tradens" und Gründer der European Trading Academy AG (tradAc).

Erst die Ebene verstehen, dann die Strategie.

Bei tradAc bilden wir in der richtigen Reihenfolge aus: erst Verständnis, dann Ansatz (fokussierte Trendfolge), dann Umsetzung – aufbauend auf höheren Zeitebenen. Finde im kostenfreien Beratungsgespräch heraus, was zu dir passt.

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